Im Zuge des Kaufes eines alten Hauses mit Kastenfenstern haben wir uns entschlossen, diese zu erhalten (vorerst). Die Grundsubstanz ist erbaulich. Nur der Lack blätterte ab. Die Renovierung war und ist nach wie vor ein Thema, welches nicht so im Vorbeigehen abgehakt ist. Mittlerweile sind die Fensterflügel geschliffen, ausgebessert und gestrichen. Dichtungen montiert – aber bitte nur bei den Innenflügeln! – Das Vorhang-Gerüst kam später und immer wieder zwischendurch.
Die Tischlerausbildung kam zur richtigen Zeit. Denn für diese nostalgischen Fenster, wollte ich keine neumodischen, oder wie ich sie gerne bezeichne, 0-8-15 Vorhangstangen. Deshalb habe ich mir überlegt:
Was, wenn ich sie selber anfertige?
Ist eine Überlegung wert!
Und schon kamen mir die unterschiedlichsten Ideen in den Sinn. Entwürfe wurden gezeichnet und wieder abgetan. Da die Fenster eine fast quadratische Grundform hatten, entschied ich mich ebenso, für diese Form bei den Halterungen und den Stangen.

Zu diesem Thema möchte ich eines meinerseits hinzufügen: Ich hasse die Vorhänge mit den vielen Vorhanghakerl (keine Ahnung, wie die richtige Benennung dessen ist), welche man mittels Leiter in die Schienen „fuddeln“ muss. Genau deshalb liebe ich die Schlaufenvorhänge so. Da ist keine Spur großen Tamtams zu machen. Stange runter, Schlaufen auf die Vorhangstange schieben und diese inkl. Vorhänge wieder rauf auf die Halterungen hieven, welche mit den Löchern auf jeder Seite der Stange in die Schrauben der Halterungen plumpsen lassen. Das ist in nicht einmal zwei Minuten erledigt. Mein Holder würde sagen: „I’m loving it.“ Ich pflichte ihm bei.
Weiße Vorhänge gibt es bei uns nur in Kurzformat mittels Vitragestangen an den Fensterflügeln befestigt. Hier bin ich etwas eigen. Wenn wir schon „alte“ Fenster haben, gehören sie ebenso hergezeigt.

Sie komplett hinter weißen Vorhängen zu verstecken, finde ich nicht authentisch. Mir gefallen sie anstandslos und deshalb zeige ich sie gerne. Den farbigen Touch, bringen die Muster oder die unifarbigen Stoffe in den Innenraum.
Von den Überbleibseln der Tischlerplatte, welche ich bei meinem Lehrabschlussstück verwendet habe, durfte ich mir die quadratischen Grundplatten für die Halterungen herunterschneiden. Von der Birkenfurnier, sowie vom Birkenholz ebenso. Das war eine noble Geste von meinem Cheftrainer. Und deshalb will ich mich hiermit noch einmal bei ihm bedanken!
Zu Hause angelangt, fing ich an die Tischlerplatten mit Furnier zu verkleiden. D.h. Leim, Schraubzwingen, und saubere Holzplatten wurden gebraucht. Stanleymesser, Schleifpapier und Bleistift ebenso.

Bohrmaschine, Holzbohrer, Japansäge, Stemmeisen, Hammer und Schleifpapier benötigte ich für die eingestemmten Zapfen und dem „45°-Bett“ für die Stange. Drei Schrauben pro Halterung – zwei für das Befestigen an der Wand und eine für die Stange selbst. Natürlich darf man die Dübel für die Ziegelmauer inkl. richtigen Bohrer nicht vergessen.
(Leider habe ich die Gewohnheit, dass mit den Bohrern nicht so genau zu nehmen, was den Bohrern von Günther nicht fröhlich aufgefasst haben. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir diesbezüglich hin und wieder ein paar „Quirks“ hatten. Schlussendlich haben wir uns aber immer wieder zusammengerauft.)
Zum Finish für alles verwendete ich eine farblose Lasur.
Birkenholz deshalb, weil ich dieses Holz liebe. Und obwohl es als weiches Holz betitelt wird, ist es im verarbeiteten Zustand, feinporig, samtig und formstabil.

Selbst wenn das Aussehen der Vorhanghalterung bzw. -stange für manche nicht das herhalten mag, gefällt mir dieser puristisch und praktisch angehauchte Stil und vielleicht will die eine oder der andere mit – dementsprechenden Abwandlungen – diese sogar nachmachen. Ist dies der Fall, wünsche ich wohlwollendes Gelingen!
Manuela Riegler, 15. Oktober 2021


