Einige Tischlerarbeiten aus der Ausbildungszeit sind mir persönlich (zu) nahe gegangen. Sowie dieser Hocker aus Eichenholz, Furnierbild und Lade. Großteils versuchte ich das Beste aus den Arbeiten herauszuholen. Doch dieser hatte meinen Eigensinn mit „Ausdruck“ (mehr als erarbeitet) erhaltend bestanden.
Zuerst planten wir, jeden einzelnen Hocker für sich, mit Abmessungen von der jeweiligen Sitzhöhe, Zargen, Sprossen, Materialdicke usw. usf. Wir Menschen wissen ja gar nicht, was es da alles zu beachten gilt. Zumindest erging es mir so, wie ich den Tischler erlernte.
Wenn ich so zurückdenke, fanden wir heraus, dass es am besten war, die verschiedensten Sitzmöglichkeiten auszuprobieren, die zur Verfügung standen. Die Maße wurden notiert. Und dann zeichneten wir den Aufriss bzw. Vorderansicht (von vorne betrachtet), Kreuzriss (ist von links anzusehen) und Grundriss (ist von oben anzuschauen). Und zu meinem Drama finde ich den Plan nicht. Na klasse (Ironie pur!)
Jeden verfluchten Zettel habe ich aufgehoben. Nur den nicht.
„Wuascht!“
wie mehrmals erwähnt.
Das waren jetzt die aus den Büchern herausgelesenen Begriffe. Vieles habe ich vergessen. Meinen Erzählungen wegen werde ich hierbei ein wenig „schummeln“. Somit erweitert sich weiterhin mein Wortschatz. Deshalb finde ich diese Sache nicht so dramatisch.

Die Pläne wurden auf einem großen Blatt A3 und A2 gezeichnet. Dabei brauchten wir keine Zeichenplatte aus dem Handel mitzubringen. Unsere Platten bestanden aus einer HPL (= High Pressure Laminate – Hochdruck-Schichtstoffplatte), auf welcher wir die Ecken der Blätter mit einem Tixo befestigten.
Um mit dem Zeichnen anzufangen, haben wir am Beginn der Ausbildung die ersten Anweisungen bekommen, die A3 und A2-Seiten in einer gewissen Form zu falten und die Rahmen, Knickpunkte und das Schriftfeld vorzuzeichnen. Hierbei spielt dabei die sorgsame Vorarbeit eine bedeutende Rolle.
Das Papier solle – wie laut Lehrbuch die Größe eines A4-Blattes (210 x 297 mm) haben, um dieses in einen Ringordner abzulegen. Der Rahmen wurde so gezeichnet, dass 20 mm auf der linken Seite für die Lochung Platz hatte. Am rechten Papierrand wurden bei 190 mm ein Punkt gesetzt, um das Schriftfeld und gleichzeitige Faltung zu markieren. Grundsätzlich wurden fünf Millimeter einbezogen. Somit galt für das Schriftfeld eine Breite von 185 mm. Die Höhe des Papieres waren deshalb 287 mm.
Bei den A2-Blättern führten wir zwei extra Faltungen oben durch. Wobei auf der rechten Seite ein schräger Knick von 105 mm abgemessen und miteinbezogen wurde. Somit wurde der Plan gelocht und ohne zusätzlichem „Verschandelns“ komplett abgelegt. Das ganze hier zu erklären ist für mich eine wahre Herausforderung.
So kommen wir zu den Maßen zurück. Meinen Hocker habe ich 66 cm hoch geplant. Der Stollenbau wurde in dieser Zeit des Lernens erklärt. Somit galt es vier Standbeine namens Stollen zu zeichnen. Die Verbindungen werden Zargen und Sprossen genannt. Die Zargen sind 10 cm hoch und außen betrachtet 25 cm lang. Die Sprossen unten sind 6 cm hoch und 25 cm lang. Es wird hier festgehalten, dass die Teile mit eingestemmte Zapfen in der Produktion länger zugeschnitten werden. Die Verbindungen wurden mittels eingestemmte Federzapfen und dazugehörigen Zapfenlöcher benannt und gemacht.
(Allerdings kann ich mich an das gerade nicht erinnern. Auch weiß ich nicht wie die Leiste oberhalb der Lade heißt, welche dazu dient, dass das Ladeninnere bzw. der Inhalt nicht zu sehen ist. Heißt die vielleicht „Blindleiste“ oder „Blende“. Im Buch kann ich den Ausdruck leider nicht finden. Gewisse Begriffe sind mir abhanden gekommen.)

Doch beim Ansehen des Lehrbuches kann ich mich nach und nach an das Planen von Möbeln und anderes erinnern. Aus den Tiefen meines Gedächtnispalastes steigen so manche Arbeiten der Tischler empor, die wahre Erfinder sind. Schade finde ich, dass dieser Beruf der am schlechtesten bezahlte Handwerksberuf ist und sich hier um Gewerkschaften sich keiner schert. Zumindest habe ich das in der Erinnerung in mir so empfunden. Auf jeden Fall werde ich hier nicht weiter regergieren. Es bereitet mir Kopfschmerzen.
Bevor die Sitzplatte mit einem Furnierbild verziert wurde, waren andere Zwischenschritte wichtig. Die Stollen bohrten wir auf der richtigen Höhe mit der Standbohrmaschine die notwendigen Schlitze ein. Die längeren Stücke für die Zargen und Sprossen sägten wir zurecht, um die Späne mit dem Stemmeisen abzuheben und die Zapfen so anzupassen, damit diese fest waren. D.h. nicht mehr „wegschnippseln“, wie nötig.
Rückblickend gestehe ich, dass zwei Bohrer daran glauben mussten, da ich mit Energie und „Schmanckes“ (Kraft) an die Sache heranging. Nicht jedes Werkzeug hält ewig. Mit den elektrischen Schleifgeräten hatte ich so meine Probleme. Als Folge wurde einer der Stollen in eine andere Form geschliffen, d.h. einer der Standbeine wurde nicht mehr quadratisch, sondern bei einer Ecke wurde eine Welle der Länge hinein geschliffen. Ein seltsames Geräusch stoppte die Breitbandschleifmaschine. Ein Malheur kommt selten allein. Die Höhe habe ich falsch eingestellt. Das Schleifpapier hat es in fetzen zerrissen. Aber zu meinem Glück konnte ich die hölzerne Welle im Inneren verstecken, ebendeshalb sah man dieses „Hoppala“ kaum.
Aber der Stress war trotzdem da. Ich machte mir über alles Mögliche Gedanken. Für was? Gute Frage. Damals habe ich schon Nerven gelassen. Hm …

Das brachte mich nicht weiter. Meine Güte! Tatsache! Die Ausbildung und die Verwandtschaft projizierte ich gegenseitig in mein Leben. Psychologische Anwandlungen in perfekter Reflexion, verstehe ich auf jeden Fall jetzt besser.
Die Lade war zu fertigen und somit haben wir uns das nötige Holz dazu rausgesucht. Es gab genug Reste, um die 14 Millimeter Bretter zu organisieren. Tischkreissäge, Richthobel, Dickenhobel, so bereiteten wir unser Material vor. Im Folgenden wurde die Nut gefräst, um den Ladeboden in den Rahmen zu schieben. Das war im Vorhinein wichtig, weil wir ja die Schwalben und Zinken zur Verbindung der vier Bretter anfertigten. Ein ausgeklügeltes System sage ich dazu nur. Darum schneidet und stemmt man sie so genau, um die Teile zusammenzufügen und dabei keinen Leim zu benötigen. So finde ich, ist dies ein Meister seines Faches. Wir haben alle einen Leim benutzt, weil es uns so aufgetragen wurde. Leimflecken waren wichtig, um selbst den Schaden dann wieder zu korrigieren, um sie wegzuschleifen. Die zwei Leisten, an welcher die Lade auflag, wurden genauso gemacht, nur im fertigen Zustand inklusive Ladenboden mit drei Schrauben montiert. Wie diese ihren Platz einnahm, kam zum Schluss die Sitzfläche des Hockers dran.
Das war eine – Verzeihung! – nervenaufreibende geile Zeit.
Beim Furnierbild kam das Malen mit den verschiedensten Hölzern ins Spiel. Die ausgewählten Furnierblätter wurden zugeschnitten und abwechselnd aneinandergereiht. Mit Tixo fixiert und zur Leimpresse gebracht. Die Holzplatte wurde zuerst furniert und unter Pressdruck und Wärme getrocknet. Dann wurde das überstehende Material mit dem Messer abgeschnitten und die Umleimer angeleimt. Die Rundungen stellten wir mit der Oberfräser fertig. Die Löcher in den Stollen wurden gebohrt. Die „Kopierstifte“ – mir fällt der richtige Namen nicht ein – steckten wir in die Bohrlöcher der Stollen. Diese hatten wie spitze Reißnägel dran, welche wir mit deren Hilfe, die Sitzplatte an der Unterseite markierten, um diese Löcher zu bohren.
Diesbezüglich waren wir froh darüber, den Deckel draufzugeben, zu verleimen und mit den Zwingen zu fixieren. Und genau da kam ich langsam drauf, dass nicht alles so heiß gegessen wird, wie gekocht.
Mit diesen Worten:
Macht eure Sache, macht eure Geschichte. Und lasst euch nicht dreinreden. Und wenn alle meinen, mach das lieber nicht. Dann erst es recht. Umgekehrt genauso. Ich glaube, ihr versteht, was ich damit meine … In letzter Konsequenz müssen wir die Verantwortung für unsere Handlungen und unsere Person selbst übernehmen.
Frohes Schaffen und erfolgreiches Gelingen!
Manuela Riegler, 28. Februar 2025


