So! Gestern habe ich mir ein weiteres Fotoalbum angesehen. Auf meine Nachfrage hin, wann das war, bekam ich die Antwort: „Wenn du auf ein Foto im Album draufklickst und mit der rechten Maustaste drüberfährst, siehst du die Informationen, und da steht dann das Datum.“ Im ersten Moment wollte meine Sturheit und Ungeduld siegen und setzte in Gedanken an, ‚ob mein Partner mir dies nicht selbst sagen konnte?‘. Doch im nächsten Augenblick erkannte ich wieder sein Wohlwollen, mir die Hilfe zur Selbsthilfe anzueignen. Und – juhu! – in nur wenigen Sekunden hatte ich mir die Information selbst geholt. Es war der 2. August 2021. Und schon waren meine negativen Gedanken verschwunden.

Langsam schaue ich mir die Vergangenheit häppchenweise an, um mein Gehirn nicht zu überstrapazieren. Hier erinnere ich mich nach wie vor an nur weniges. Aufgrund des dokumentierten Bildmaterials fängt es dann doch wieder an mit „Aha“ und „Ja, genau“ hole ich mir bruchstückhaft einige Leckerbissen aus meinem Gedächtnis hervor.
Eine so aufgeweckte Stadt, wie Graz, präsentiert sich rein veränderungstechnisch, von alt zu modern. Teils ragen die gewohnten alteingesessenen Gemäuer mit dementsprechenden verzierten Fassaden der Vergangenheit dem Himmel empor. Dem gegenüber sprießten die architektonischen Meisterwerke aus Stahl und Glas zum Wechsel ins Stadtbild. Inklusive moderner Litfaßsäulen mit geschütztem Glasfenstern neben der Straße zwischen angepflanzten Bäumen.
Aus Stein gefertigte Geländer führten die Treppen abwärts zur Mur. Die Bäume und Sträucher bildeten einen Kontrast von hart zu weich. Ebenso die alten Mauern linkerseits und das wiederum, modernes Bauwerk rechterseits im Foto. Der Fluss rauschte an uns vorbei. Auf der „Erzherzog-Johann-Brücke“ überquerten wir in ausreichender Höhe dieses Gewässer. Durch den angrenzenden Verkehr war das Getose nicht so wild.

Bei der „Murinsel Graz“ war das anders. Die künstliche Insel in der Mitte des Flusses wurde aus Stahl und Glas erbaut. Mit Verbindung zweier Stege. Die Insel wurde in den Fluss eingebettet und wurde somit von Unmengen Wasser umspült. In diesem Coucon gönnten wir uns im Café eine Pause.
Anfangs war es für mich gewöhnungsbedürftig, da an dem schwarzen Kaffee zu schlürfen und die Wassermassen fensterbankhoch das Wasser vorbei floss. Es hatte etwas Hypnotisches für sich, wie sich die Wellen an das Fenster wabbernd schmiegte. Einerseits ehrfurchtgebietend und andererseits beruhigend. So nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“.

Günther war eine kurze Zeit weg, mit Foto sammeln beschäftigt. Ich hingegen sah mir den Innenraum der Insel genauer an. 2021 absolvierte ich zuvor die Tischlerausbildung und hatte einiges Wissen gespeichert. Betrachte ich dies im Nachhinein, war ich damals schon ausgebrannt. Sowie Jahre davor. Jetzt versucht meine Persona, das alles zu verarbeiten. Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal mehr.
Die Gefühle trafen mich erneut. Ein Foto mit einem Handwerker in erhöhter Lage, nahm meine Aufmerksamkeit in Anspruch. Hierbei schluckte ich, verzwickte mir die Tränen, obwohl diese – laut Therapeutin – so wichtig wären. Verdammt … und schon kommen sie. Dieser tiefsitzende Groll zerschlägt mein Innerstes in kleine Scherben. Wut kroch in mir hoch und wies auf Teile von mir hin, an die ich nicht gedacht habe.
Sei´s drum.
„Gottes Mühlen mahlen langsam – aber sie mahlen.“
Blödes Sprichwort, aber im Endeffekt trifft´s.
Na bitte und immer öfter und schneller komme ich zur Ruhe. Übung macht den Meister.
Zurück zum Ausflug. Hier gab es sogar einen Fahrrad-Parkplatz. An den erinnerte ich mich nicht mehr. Sowie an andere Vorkommnisse, wie „Cafe Schwalbennest“ neben der Kirche. Oder den Aufgang zum Schlossberg zu Fuß begehbar oder mit Lift. Und erst das hängende Formel-1 Auto an der Felswand. Und vorher schon die Vorhängeschlösser an der bereits erwähnten Brücke. Wenn man bedenkt, dass zu jedem dieser Schlösser eine Geschichte steht, bedürfen wir nur erahnen, welche Vielfalt auf dieser Welt vorherrscht. (Nur sind wir zu …, es zu sehen. Ich nehm mich da nicht aus.)
Einen genussvollen Tag zu euch!
Manuela Riegler, 22. Dezember 2024


