Schuld. Selber Schuld.
Die Tischlerausbildung war gut und ich habe vieles gelernt. Und der Beruf Tischler ist auch – finde ich – ein guter handwerklicher Beruf. Deshalb habe ich ihn mir ja – im Nachhinein gesehen, als 2. Wahl – ausgesucht. Zu dem Zeitpunkt war der familiäre Stress auf dem Höhepunkt und deshalb wollte ich der ganzen Welt einfach nur zeigen, dass ich das auch kann. In der Männerwelt Fuß fassen und meinen Beitrag in dieser Welt leisten.
„Oh meine Fresse!
Hatte ich einen Minderwertigkeitskomplex.“
Das Drumherum wurde nach und nach schlimmer und wäre ich ein Teekessel, hätte der Druck automatisch abgelassen werden können. Aber das tat ich nicht. Lieb und nett, wie ich war, habe ich dem ganzen Szenario dabei andere hinters Licht geführt und mich selbst genauso.
Die Menschen beim hiesigen BFI sowie bei den Praktika, welche ich besuchen durfte, waren grundsätzlich hilfsbereit und lehrwillig. Auch hier kam ich allerdings nicht umhin, das „Geraunze“ von vielen Einzelnen mir anzuhören. In Zeiten des Alltages, Corona und viele andere Dinge, habe ich mich auf psychischer Ebene runter ziehen lassen. Und ich war nicht besser.
Sechs Monate vor der Lehrabschlussprüfung stellte ich mir die Frage, „Was mache ich hier eigentlich? Warum will ich diesen Beruf erlernen? Dabei werden Bäume gefällt und das in Massen. Die Bäume, die wir zum Atmen brauchen. Der Wald der vor einigen Jahren dein Halt war und deine Freiheit. Warum hast du nicht den Landschaftsgärtner gewählt?“ Zu diesem Zeitpunkt des Erkennens begann der inneren Aufruhr und es wurde mir übel. Innerlich war ich aufgewühlt und wusste nicht, was ich tun sollte. Und schon suchte ich eine Schuldige – die Eine, die mit der Erziehung. Lange Zeit konnte ihr nicht vergeben. Was bringt es, ewig lange die Menschen für etwas zu beschuldigen, wenn man selbst die Entscheidung getroffen hat? Und was bringt es ihr, sich für den technischen Zeichner weiter ausbilden zu lassen und zu hoffen, dass da eine zweite Mitstreiterin ist, die ihr bei der Prüfung helfen könnte?
(Wobei das muss ich mir jetzt von der Seele schreiben: Warum muss man nach wie vor Laden mit Schwalben und Zinken sägen und „raus schnitzen“, wenn das mittlerweile fast alle mit Maschinen bewerkstelligen?)
Am Boden war ich. Fix und fertig. Weil ich von Anfang an in meinem Leben nicht den Mut hatte, das zu tun, was ich von Grund auf wollte. Die gut gemeinten Aufmunterungen der „Weiberwirtschaft“ konnten auch nicht helfen. Wieso sollten sie auch. Die eine Frau war selber am Sand und wäre einer Betreuerin beim BFI – ich weiß jetzt nicht mehr, aber ich glaube des hiesigen AMS – bald an die Gurgel gesprungen. Die andere hatte mit der Kindererziehung einiges am Hut. Da nehme ich mich wieder nicht aus. Aber im Grunde war es eine „Weiberwirtschaft“ im altertümlichen Wahn. Und die erinnerte ich mich an die Verwandtschaft. Kaum zu glauben, wie der familiäre Hintergrund in das Berufsleben einwirken kann.
Jetzt wusste ich, dass ich nicht mit zu vielen Frauen zusammenarbeiten wollte. Es müsste für wahr ein Ausgleich der Geschlechter in der Berufswelt für mich da sein. Bzw. eine Thematik, an der man hinarbeiten konnte. Aber egal, wo ich wieder hinkam, immer wieder hörte ich die gleichen Probleme und das gleiche „Gezetere“ der Beteiligten.
Und wieder erkannte ich (mit Hilfe meines Partners), dass ich die Menschen nicht ändern kann, sondern ich alleine mich „ver-ändern“ kann. Das „Gerede und Geschnattere“ alleine wird den Herausforderungen des Lebens nicht dienlich sein. Ja, sage ich. Irgendwie wollte ich immer etwas bewirken. Etwas erschaffen. Lange Zeit habe ich gebraucht, dies zu finden. Und nun bin ich auf dem Weg, den ich gehen will.
Zeichnen und Malen, Handwerkeln – ob mit Wolle oder mit Holz, Schreiben und Reimen. Und ja ich bin gerade dabei – mit Hilfe meines Gefährten – diese Website zu erstellen. Also großartig Coden werde ich nicht mehr. Aber das Design – so glaube ich – kann sich sehen lassen. Wie gesagt, „Learning for doing“. Und unter uns gesagt, ich wusste ja nicht, wie viel Arbeit da dahinter steckt. Aber irgendwie gefällt es mir. Nur kann ich nicht so lange am Bildschirm werkeln. Und somit finde ich einen Ausgleich zwischen Training ob Körper oder Hirn, Computer und Handarbeit.
Und in diesem Sinne wünsche ich viel Vergnügen in eurem Tun.
Manuela Riegler, 5. Januar 2025


