„Weiter geht´s!“, motivierte ich mich beim letzten Wandern. Die kurze, aber anspruchsvolle Steigung hatte es in sich. Langsam erklomm ich den Hügel. Günther ließ sich nicht „Lumpen“ und schritt in seinem Tempo voran, um einige Fotos am Wegesrand abzulichten. Keuchend blieb er dazwischen stehen und sah abschätzend zu mir zurück. Meines Tempos würdig im zeitlichen, angepassten Gemüte und Könnens, starkste ich weiter hinauf. Selbst mit der Haube inklusive des Innenfutters auf meinem Haupte und dem dicken Schal um den Hals, kroch die Eiseskälte ins Gebein. Die Wanderung erfolgte in beidseitigen, kommunikativen Einvernehmens und spaßigen Zwischentönen.
Hört sich hochgestochen an. Na gut! …
„Wir haben geredet und hatten unseren Spaß an den angesagten Themen! Gaudi-like-mässig.
Und das ist verdammt noch einmal okay!“
Egal, was andere davon halten mögen.
Zu Hause, in der warmen Wohnung angekommen, freute ich mich, auf das wohlige Gefühl auf der Couch zu knotzen und meine Beine hochzulegen. Genauso wie auf ein Häferl heißen Kaffee. Schwarz mit einem Löffel Zucker.
Aber auf das Weh im Gesicht und am Kopf sicher nicht. Zähneknirschend wartete ich, dass der Schmerz leichter wurde. Das vernarbte Drainageloch, pochte rund um das Selbige, in Form eines Vulkanes inkl. Kraters in den Haaren sitzend. Die Vorstellung allein und das damit zugehörige Geschehen, lässt mich erschaudern. Die Angst kroch hoch, einen erneuten Vorfall zu bekommen. Günther sprach mir Verständnis zu. Mit diesen kurzen Worten beruhigte ich mich.
Mit Abklärung bei Hausärztin und Neurologen veränderte sich meine Sichtweise. Der Arzt hatte mir am Samstag „reinen Wein eingeschenkt“. So etwas wie den Namen „Eispickel-Kopfschmerz“ habe ich bis dato nie gehört. Doch die Bezeichnung trifft es auf den Punkt. Und ein erneuter Sachbestand kam auf. Das Drainageloch am Kopf wurde mit einer Lederhaut zugemacht. Richtig komplex war ich. Das stellte ich mir einmal vor. Eine Lederhaut. Im Inneren konnte ich nicht anders und sprach in Gedanken folgenden Satz zu mir selbst aus:
„Jetzt könnte so manch einer sagen: Du alte Haut.“ … Untersteht euch.
Wenn die Leut´ das Geschehene nicht wissen, können sie dies nicht begreifen, dass das auf dem Gegenüber unter Umständen falsch ankommt. Das brauche ich hier nicht weiter erläutern.
Nach dem abklärenden Gespräch beim Arzt „solle ich bitte zu Hause bleiben“. Eine Kontrolle für ein Schädel-CD wurde empfohlen. Sicherheitshalber verschrieb er mir ein Schmerzmittel, welche ich bei Bedarf einnehmen könne.
„So geht es dahin.“
Um es mit den Worten, von Günther zu sagen.
Manuela Riegler, 24. Februar 2024


